Print Lucky Luke

Morris inszeniert den ersten Auftritt der Daltons

Mit diesem Band, in dem die Dauerfehde zwischen dem einsamen Cowboy und den Daltons ihren Anfang nimmt, integriert Egmont Ehapa eine echte Rarität in die Albenreihe Lucky Luke. Die erste Folge dieses im Original mit Hors-la-loi überschriebenen Abenteuers gelangt am 20.9.1951 in der Nummer 701 des belgischen Comicmagazins Spirou zum Abdruck, das leidige Ende präsentiert die Nummer 731 vom 17.4.1952. "Hier liegen die Brüder Dalton begraben. Sie starben in ihren Stiefeln am 5. Oktober 1892" heißt es im letzten Bild. Freilich handelt es sich dabei um Bob, Grat, Bill und Emmett Dalton, Anführer und Namensgeber einer der verwegensten Banden im Wilden Westen, denen ein geplanter Überfall auf zwei Banken in Coffeyville, Texas zum Verhängnis wurde.



Kaum dass sie im Comic unter die Erde gebracht sind, bedauert Texter und Zeichner Maurice de Bévère (1923-2001) alias Morris das Ende der Daltons. "Nach Erscheinen von Die Gesetzlosen erhielten wir viele Leserbriefe, die weitere Geschichten mit den Daltons forderten. Das Publikum fand diese Figuren sehr lustig. Und wir hatten sie getötet..." Zum großen Erfolg des frühen Meisterwerks trägt gewiss das charakteristische Aussehen des wie Orgelpfeifen gewachsenen Quartetts bei, das seine Schandtaten stets simultan verübt. Also lebten die Vier in den Spirou-Heften 755 vom 2.10.1952 bis 764 vom 4.12.1952 mit Le retour des frères Dalton/ Die Rückkehr der Brüder Dalton noch einmal kurz auf.



Die ideale Lösung findet sich im Jahr 1957. Da verfasst der große Humorist René Goscinny (1926-1977) mit Les Cousins Dalton/ Vetternwirtschaft [siehe Band 21 in der Albenreihe Lucky Luke] seine erste Erzählung mit den unsäglichen Joe, William, Jack und Averell Dalton. Zitat Morris: "Ich hätte die Daltons wieder bringen können, indem ich eine Geschichte erzähle, die vor Die Gesetzlosen spielt, aber zusammen mit René kam uns die Idee, an ihrer Stelle deren Vettern einzusetzen. Diese Abweichung von der wahren Geschichte der Brüder Dalton räumte uns mehr Freiheiten ein für künftige Episoden. Die Daltons waren in erster Linie bösartig. Ihre Vettern sind einfach nur dumm..."

Mit der Einfügung zeitgenössischer Figuren bietet Die Gesetzlosen eine Besonderheit, die fortan zum typischen Merkmal eines Lucky Luke werden sollte. Bedeutender jedoch ist, dass mit vorliegender Drucklegung einem großen Leserkreis endlich die Ursprungsgeschichte unterbreitet wird, die den Mythos der Daltons mitbegründet hat. Denn abgesehen von einer frühen Veröffentlichung in einem Comicfachmagazin und der längst vergriffenen Buchhandelsausgabe von 1992 in der Ehapa Comic Collection, ist diese Arbeit nie in deutscher Sprache veröffentlicht worden. "In Europa sind die Daltons vor allem durch die Charaktere bedeutend geworden, die ich für die Comicserie Lucky Luke kreiert habe. Die echten Brüder Dalton sind dagegen eher unbekannt geblieben", meint Morris. Wer konnte 1951/52 schon ahnen, dass die Daltons im Universum von Lucky Luke einmal so bedeutend werden sollten wie der Titelheld selbst?

-Horst Berner-




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